Was Daniel Kahnemann und Josef Hirt über das menschliche Denken sagen
Daniel Kahnemann spricht vom schnellen und vom langsamen Denken. Josef Hirt spricht vom planmäßigen Denken als etwas relativ Neuem. Was bedeutet das für den Einsatz unserer Vernunft?
In seinem 2011 erschienen Buch Schnelles und langsames Denken beschreibt der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann die Unterschiede zwischen dem System 1- und dem System 2-Denken. Das System 1-Denken ist demnach schnell und intuitiv. Das System 2-Denken ist logisch, aber nicht immer aktiv und außerdem erschöpft es schnell.
Ähnlich dazu beschreibt Josef Hirt die Spontanreaktion im Gegensatz zur Vernunft. Beide stehen im Grunde in einem Wettbewerbsverhältnis, was es uns erschwert, planmäßig zu handeln:
"Der sehr viel ältere spontane Reaktionsmechanismus ist daher den Menschen immer noch in "Fleisch und Blut" und steht in permanentem Kampf mit der noch jungen, langsam arbeitenden Vernunft. Das erkennt man auch daran, dass man das vernünftige, planmässige Überlegen als Anstrengung, als Arbeit empfindet, während das spontane Reagieren gleichsam von selbst funktioniert." (aus: Hirt-Methode, 25. Auflage von 1997, Band IV)
Planmäßiges Denken ist anstrengend. Es ist nicht intuitiv. Es bedarf Selbstdisziplin und Vernunft, sie anzuwenden. Dementsprechend können wir die Verfahren der Dynamischen Analyse und des Dynamischen Planens eindeutig dem System 2-Denken gemäß Kahnemann zuordnen.
Dieses wissen können wir direkt für uns anwendbar machen. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass wichtige Entscheidungen und wichtige Vorhaben zumindest immer einer Vorarbeit bedürfen. Mindestens ein D-Schnellplan sollte bei jedem wichtigen Vorhaben erstellt werden. Wenn wir uns das zur Gewohnheit machen, verringern wir erheblich die Gefahr, bei wichtigen Vorhaben im System 1- Denken zu operieren.
Wenn wir Planungsverfahren gemäß der Hirt-Methode anwenden, führt das zu einer Rückwirkung auf unser System 2-Denken. Wir unternehmen zwar im ersten Schritt die Anstrengung des planmäßigen Denken. Hierdurch wird aber unser Gehirn entlastet, da wir weniger Dinge im Gedächtnis behalten müssen. Der "Gehirnspeicher" wird wieder frei, auch für unbeschwertes intuitives Handeln.

