Unbekannte Unbekannte
Bei jedem Planen stoßen wir auf die Herausforderung der bekannten Unbekannten, und der unbekannten Unbekannten. Unbekannte Unbekannte sind wohl die Königsdisziplin des Planens.
BV
9/16/20263 min read


Bekannte Unbekannte - der wichtige erste Schritt in der Planung
Bei der Planung haben wir es immer mit bekannten Unbekannten zu tun. Das sind Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Beispiele: Wir planen eine Reise, und wissen, dass wir ein Hotel benötigen, wissen aber noch nicht, welches für unsere Zwecke am besten geeignet ist. Oder wir wissen, dass der Flug teuer wird, wir wissen aber noch nicht, ob wir ihn uns leisten können oder leisten wollen, da wir die genauen Preise noch nicht kennen.
Bereits beim Umgang mit diesen bekannten Unbekannten zeigen sich die Vorteile des systematischen Planens. Einfach, indem wir alle wesentlichen bekannten Unbekannten auflisten, und dann nacheinander lösen, erzielen wir viele Vorteile:
Unser "mentaler Arbeitsspeicher" wird entlastet, da wir nicht mehr alles im Kopf behalten müssen
Die Wahrscheinlichkeit, etwas Wesentliches zu vergessen, nimmt stark ab
Wir sparen Zeit, indem wir dieselben Fragen nicht mehrfach angehen, sondern nur einmal, und dafür gründlich
Der Schritt von den bekannten zu den unbekannten Unbekannten
Im Formular für D-Schnellpläne steht der Punkt:
"Was will ich nicht erreichen bzw. verhüten? Kritische Überprüfung der Zielformulierung und der Möglichkeiten des Vorgehens."
In Stufe IV der HM steht in der Beschreibung für große D-Pläne:
"Schliesslich stellt man sich folgende Fragen:
1. Muss dieses ziel unbedingt erreicht werden?
2. Welche Erwartungen werden dadurch geweckt?
3. Welche positive und negative Folgen können entstehen?"
Natürlich wollen wir negative Folgen vermeiden. Fragt man sich jetzt, welche negativen Folgen entstehen können, kommt man bereits in den Bereich, wo es sowohl bekannte als auch unbekannte Unbekannte gibt. Bestimmte Folgen können wir uns - je nach Lebenserfahrung und Vorkenntnissen - bereits vorstellen. Andere Folgen lernen wir im schlechtesten Fall erst am eigenen Leib zu spüren. Gemäß dem Sprichwort: Aus Schaden wird man klug.
Für mich folgt daraus: Planung kann niemals perfekt sein, und es kann nie mit vollkommener Sicherheit jede mögliche negative Auswirkung vorhergesehen werden. Es geht immer um Wahrscheinlichkeiten: Durch vorausschauendes Planen die realistischen negativen Folgen vorhersehen. Und dann entscheiden: Wie kann ich diese Folgen verhindern oder deren Auswirkungen abmildern? Oder erkenne ich, dass die Risiken in keinem guten Verhältnis zu den Vorteilen stehen, und breche den D-Plan an dieser Stelle ab?
Unbekannte Unbekannte erkennen: Mit diesen Tips
Besonders bei großen D-Plänen, d.h. bei den wirklich wichtigen Vorhaben im Leben, helfen folgende Tips:
Erfahrungsberichte lesen und / oder andere Menschen mit mehr Erfahrung im jeweiligen Thema gezielt danach fragen, was "schiefgehen" kann
für jeden größeren Teilschritt im Voraus sich fragen, was nicht (!) funktionieren kann, und welche Folgen das finanziell, familiär, gefühlsmäßig, gesundheitlich, zeitlich, juristisch haben kann
gezielt KI befragen: Was kann schiefgehen? Welche Risiken gibt es noch? Welche Gefahren wurden möglicherweise übersehen?
sich gezielt die Frage nach den "Rückbaukosten" stellen, den Kosten der Beendigung eines Besitztums oder einer Verpflichtung
Praktisches Beispiel: Der Bootskauf
Zur Verdeutlichung der Tips ein fiktives, aber praxisnahes, Beispiel: Ein Mann hat Interesse am Bootsfahren gefunden. Nachdem er 2 x bei Freunden auf einem Boot mitgefahren ist, will er jetzt seinen eigenen Bootsführerschein machen, und sich dann ein Boot kaufen.
Betrachtet er nur die bekannten Unbekannten, wird er sich vielleicht Fragen stellen, wie:
Wo mache ich am besten meinen Bootsführerschein? Wieviel Zeit nimmt das in Anspruch? Wo ist ein guter Liegeplatz? Kann ich mir ein eigenes Boot leisten? Von welchem Fachmann kann ich ein gebrauchtes Boot prüfen lassen, bevor ich es kaufe?
Alles berechtigte Fragen. Und doch greifen sie zu kurz. Besser ist es für den Mann, wenn er sich zusätzlich folgenden Fragen widmet: Welche ehemaligen Bootsbesitzer kann ich fragen, wie ihre Erfahrungen sind? Was hat sie dazu bewegt, ihre Boote wieder zu verkaufen? Ist es denkbar, dass ich nach kurzer Zeit das Interesse am Bootsfahren verliere (ist es vielleicht ein Persönlichkeitsmerkmal von mir, schnell das Interesse zu verlieren?)? Welche Folgekosten entstehen dann für mich - muss ich das Boot eventuell mit großem Verlust verkaufen? Wieviel Zeit und Nerven kann es mich kosten, wenn ich das Boot verkaufe? Und außerdem: Selbst wenn ich mit Interesse beim Bootsfahren bleibe: Welchen zeitlichen Invest muss ich tätigen für Pflege und Renovierung des Bootes, für Fahrten zu einem vielleicht weit entfernten Anlegeplatz, usw. - und ist vielleicht die gelegentliche Miete eines Bootes für mich die bessere Wahl?
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