Die Hirt-Methode lernen: So gelingt der Einstieg
Wer die Hirt-Methode (HM) lernen will, dem empfehle ich, sich eine Ausgabe aus den 1990er Jahren antiquarisch zu kaufen. Mit etwas Geduld findet man in der Regel innerhalb von wenigen Monaten eine Ausgabe auf ebay oder über Anbieter wie booklooker. Die Preise liegen um die 50,- €. Eine solche HM aus den 1990er Jahren besteht aus Sieben Kursordnern (Band 1a und 1b und Bände 2 bis 6) und ergänzend jeweils einem Ordner zum Abheften von D-Plänen und von Dynamischen Analysen.
Jede Kursstufe enthält Übungsaufgaben. Diese wurde früher an die Kursbetreuung des Hirt-Institutes geschickt. Da es diese nicht mehr gibt, fällt zum einen die Rückmeldung, aber auch etwas Verbindlichkeit beim lernen weg, da man nicht mehr "in die Pflicht genommen" wird. Daher ist jetzt umso wichtiger zu verstehen, wie man die HM am besten lernt.
Wichtig zu wissen
a) Die HM stammt aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, in der Menschen offenbar noch selbständiger waren als heute, und als die Erwartungshaltung, alles Schritt-für-Schritt vorgesagt zu bekommen, noch nicht ausgeprägt war. Daher gibt es auch keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen sondern viele Anregungen und Übungsaufgaben. Es wird vorausgesetzt, dass ein Student der HM sich sein eigenes System baut, und dabei experimentierfreudig ist. Und, dass er sich Zeit nimmt, weil er nicht so schnell die Geduld verliert, und nicht parallel verschiedene andere Methoden ausprobiert. Ja, es war eine andere Zeit, in der die Auswahl an Kursen viel kleiner war, in der es auch nicht die ständigen Heilsversprechen von Coaches gab. Menschliche Bequemlichkeit gab es damals auch schon - aber weniger Ablenkung und wahrscheinlich auch mehr Eigenständigkeit und Hartnäckigkeit der Menschen.
b) Der Tonfall der HM ist eher ruhig. Wertvolle Tips oder unverzichtbare Hilfestellungen sind oftmals nur "weich" formuliert. Als Empfehlung, doch mal über dieses oder jenes nachzudenken, und zu prüfen, ob es einem helfen könnte. Vieles wird nur einmal erwähnt, und nicht wiederholt.
Ich habe die Hirt-Methode ohne Kursbetreuung gelernt, und hatte Anfangs den Schwerpunkt auf das Zeitplansystem gelegt. Die weiteren Verfahren, abgesehen von der Somatisierung, beachtete ich zu Anfang nicht. Ein Fehler, wie sich später zeigte, denn mir entging der volle Nutzen der HM.
Meine Top-Erkenntnisse aus dem Selbststudium der HM:
Die HM ist weit mehr als nur die Zeitplanung oder das Zeitplanbuch
Ohne die Anwendung von Somatisierung, Dynamischer Analyse und der D-Plan-Verfahren besteht die Gefahr, sich mit dem Zeitplanbuch ein schnelleres Hamsterrad zu bauen - aber kein besseres Leben
Ja, Dynamische Analysen sind unverzichtbar, auch wenn Sie glauben, bereits alles zu wissen und alles im Kopf zu haben
Die zehnte Dynamische Analyse gelingt besser als die erste Dynamische Analyse
D-Pläne sind keine Zeitverschwendung
Wer D-Pläne nicht verwendet, ist kein Hirt-Methodiker
Die Übungsaufgaben aus den Ordnern 2 bis 6 sollten gemacht werden, auch wenn es keine Kursbetreuung mehr gibt
Vorsicht Falle: Es sieht beinahe zu einfach aus, aber es ist wirksam
Manches an der HM mag zunächst banal erscheinen. Die Formulare für die Dynamische Analyse und die D-Plan-Formulare sehen auf den ersten Blick aus, wie einfache Tabellen. Sie sind bewusst so gestaltet, um den Anwendern größtmögliche Freiheit und Anpassbarkeit an die eigenen Bedürfnisse zu ermöglichen. Und wichtiger noch: Dynamische Analyse und D-Pläne sind an sich einfache Verfahren - das macht sie aber nicht weniger wirksam.
Wer das erste mal über sie liest mag denken "wie soll ein so einfaches Verfahren eine große Hebelwirkung entfalten? Und außerdem, warum soll ich Dinge verschriftlichen, die ich ohnehin im Kopf habe und bereits weiß?" Zumindest waren das meine Gedanken, als ich zum ersten Mal mit der HM zu tun hatte. Heute weiß ich: Verfahren müssen nicht kompliziert sein, um zu funktionieren. Ein großes Lernhindernis sind die eigenen Vorbehalte, es einfach auszuprobieren. Oder anders gesagt: Das größte Lernhindernis sind die eigene Überheblichkeit und Bequemlichkeit. Einfache Verfahren sind trotz ihrer Einfachheit nicht immer leicht zu beherrschen. Durch Übung wird man besser, denn die Dynamische Analyse und das D-Plan-Verfahren sind in erster Linie praktische Tätigkeiten. Es geht weniger darum, diese Verfahren als Konzept zu verstehen, sondern vielmehr darum, durch häufiges Anwenden das Verfahren besser zu beherrschen.
Fazit: Die HM ist einfach zu verstehen, und durch Übung leicht zu erlernen.

