Interview mit Wolfgang Isler

Wolfgang Isler war Vizedirektor des Hirt Instituts und Kursbetreuer für die Hirt-Methode (HM). Im heutigen Interview sprechen wir über seine Sicht auf die HM, und warum sich sich lohnt, sie zu lernen.

BV

3/16/20265 min read

a white building with green shutters near the ocean
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Bitte erzählen Sie unseren Lesern etwas über sich, und wie Sie zur Hirt-Methode (HM) gekommen sind.

Der damalige Inhaber des Hirt Instituts war ein langjähriger Freund, den ich immer wieder traf und mit dem ich mich immer wieder über Angelegenheiten des Instituts und über die Hirt Methode unterhielt. Da ich Mitte der Neunziger Jahre zunehmend genug hatte vom Finanzbereich (ich war als Vermögensverwalter und Anlageberater bei diversen Banken und zuletzt selbständig tätig) mündeten unsere vielen Gespräche letztlich in ein Bewerbungsgespräch, welches mich dann einerseits zum Geschäftsführer der neu gegründeten Firma Hirt Finance Plus und anderseits zum Geschäftsleitungsmitglied und Kursbetreuer für die Hirt Methode und den Kurs ‘Der richtige Umgang mit Geld’ beim Hirt Institut werden ließ. Ich hatte mich nach einer Lebenskrise mit diversen Angeboten zum Thema Persönlichkeitsentwicklung befasst und dabei auch die Hirt Methode ein erstes Mal intensiv durchgearbeitet.

Was waren Ihre größten persönlichen Erfolgserlebnisse durch die Anwendung der HM?

Es ist für mich schwierig, persönliche Erfolgserlebnisse direkt auf die Anwendung der HM zurückzuführen. Dies ist dadurch bedingt, dass ich mich im Rahmen der Entwicklung meiner Persönlichkeit nicht nur auf die Hirt Methode, sondern auch auf andere Methoden (unter anderem NLP sowie eine weitere Seminarorganisation mit einer Mischform von Seminaren) stützte.

Was ich der Hirt Methode definitiv gutschreiben kann, ist meine deutlich strukturiertere Herangehensweise an die anstehenden Aufgaben. Dies hatte einerseits mit dem Zeitmanagement nach Hirt, anderseits aber auch mit dem Dynamischen Planen zu tun.

Es gibt aktuell ein sehr großes Angebot an Blogs und Büchern zum Thema Zeitmanagement und Persönlichkeitsentwicklung, und viele Coaches sind in diesem Bereich tätig. An verfügbaren Informationen mangelt es nicht. Ist es aus Ihrer Sicht heute noch sinnvoll, die - immerhin jahrzehntealte - HM zu lernen?

Diese Frage hat uns auch zu meiner aktiven Zeit beim Hirt Institut natürlich stets beschäftigt. Ich meine, dass die Antwort darauf nicht in der Methode selbst zu finden ist. Die Hirt Methode selbst wird immer ein wertvoller Wegweiser durch das Leben eines erwachsenen und wachen Menschen sein. Sie können sich jederzeit und völlig zu Recht auch fragen, ob die Bibel in der heutigen Zeit noch Sinn ergibt oder ob die Gedanken und Theorien der großen Denker wie auch der frühen Motivatoren wie James Allen, Dale Carnegie, Napoleon Hill etc. heute noch einen Platz in der komplexen Welt des 21. Jahrhunderts verdient haben.

Ob ein Fernkurs mit schriftlicher Kursbegleitung noch ein zeitgemäßes Instrument ist, dürfte meiner Meinung nach die wichtigere Frage sein. Dass es genügend Menschen gibt, die sich auf diesem Weg der Wissensvermittlung wohl fühlen, scheint mir bei der in den letzten Jahrzehnten massiv gewachsenen Bevölkerungszahl erwiesen zu sein. Diese Menschen zu finden und anzusprechen stellt jedoch die wichtigste Herausforderung dar. Es ist also wie damals eine Frage des gezielten und personengerechten Marketings.

Sie waren in herausgehobener Position für das Hirt-Institut in Zürich tätig. Wie war es damals am Institut, bitte erzählen Sie uns etwas über Ihre Arbeit dort.

Da es neben der Hirt Methode mit den Kursen ‘Der richtige Umgang mit Geld’, ‘Geistige Fitness’ und ‘Erfolgreiche Gesprächsführung’ auch noch andere wichtige Produkte im Bereich der Persönlichkeitsbildung gab, bestand stets viel Gesprächsbedarf. In Teamsitzungen wurden Marketingstrategien erarbeitet und Überarbeitungen im Sinne von Optimierungen an den bestehenden Kursen angestoßen. Kommunikation war ein sehr wichtiger Bestandteil unserer damaligen Arbeit. Dabei wurde versucht, den Sinn und Geist der Hirt Methode in den Mittelpunkt zu stellen. Dass dies aber nicht jederzeit gelang, dürfte klar sein. Dies, zumal nicht alle Mitarbeitenden denselben Wissensstand im Hinblick auf die Hirt Methode besaßen.

Die HM ist stark auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Ist es aus Ihrer Sicht möglich, ein Unternehmen Hirt-methodisch zu führen? Auch dann, wenn nicht jeder einzelne Mitarbeiter tiefere Kenntnisse der Hirt-Methode hat?

Dieser Frage wurde damals im Rahmen der Firmenseminare nachgegangen. Ich erinnere mich noch gut an eine Gesellschaft mittlerer Größe, die ihre gesamten Kadermitglieder dazu verpflichtete, die Hirt Methode durchzuarbeiten und die entsprechenden Kursberichte einzusenden. Als Kursbetreuer hatte ich somit einen sehr guten Einblick in die Gedankenwelt dieser Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Hinblick auf ihre Gesellschaft. Ich konnte zunächst einen starken Widerstand gegen diesen Kurs feststellen (zusätzlicher Zeitaufwand neben einem bereits herausfordernden Arbeitspensum). Mit fortschreitender Kursdauer wurden die Rückmeldungen jedoch immer positiver. Ich selbst habe die Seminare nur schriftlich begleitet, war jedoch bei den Präsenzanlässen nicht vor Ort. Somit kann ich mich nur auf den Seminarleiter verlassen, der uns damals von großen Fortschritten bei der Entwicklung der Unternehmenskultur berichtete. Leider konnten wir uns im Unternehmensbereich nicht sehr gut etablieren, so dass ich es bei diesem Bericht bewenden lassen muss.

Gab es am Hirt-Institut eine besondere, spürbar andere, Unternehmenskultur als in "normalen" Unternehmen? Oder war - abgesehen vom speziellen Angebotsportfolio - das Institut im Arbeitsalltag ein Unternehmen wie jedes andere?

Ich möchte behaupten, dass eine offenere Gesprächskultur bestand, als dies in vielen anderen Unternehmen üblich ist. Anderseits war das Hirt Institut ja auch ein eher kleiner Betrieb, wo so etwas möglicherweise üblich ist. Ich weiss jedenfalls, dass sich die Mitarbeitenden bewusst waren, dass wir ein spezielles Unternehmen mit eher speziellen Produkten waren, auch wenn sie die Kurse nicht persönlich durchgearbeitet hatten.

Sind Sie Josef Hirt persönlich begegnet?

Ich habe Josef Hirt mehrmals im Hirt Institut getroffen, könnte aber nicht sagen, dass ich ihn näher kennenlernte.

Aus Ihrer Erfahrung als Kursbetreuer: Gibt es so etwas wie typische Lernhindernisse, oder Elemente der HM, die den Kursteilnehmern besonders schwerfielen?

Was mir als Kursbetreuer öfter auffiel war, dass sich Lernblockaden am ehesten dann einstellten, wenn z. B. der Vater beschloßen hatte, dass sein erwachsener Sohn die Hirt Methode auch durcharbeiten müsse. Unter Zwang geht so etwas aber nicht gut. Vor allem, wenn der Sohn ein ganz anderer Menschentyp ist als der Vater.

Bei den Inhalten erwies sich oft der Teil um das GLU (Gesetz von Lust und Unlust) als Stolperstein. Vielen Kursteilnehmenden war das GLU auf ersten Anhieb viel zu theoretisch. Mit Fortdauer des Studiums kamen dann aber häufig die Aha-Effekte.

Ist Ihnen eine besonders originelle oder besonders erfolgreiche Anwendung der HM durch Kursteilnehmer in Erinnerung geblieben?

Dazu kann ich leider aus meiner Erinnerung nichts mehr beisteuern. Ich möchte auch nicht ins Schwadronieren kommen. Grundsätzlich ging es bei den Erfolgsmeldungen insbesondere um die strukturiertere Arbeits- und Herangehensweise an Herausforderungen. Verschiedentlich teilten mir Teilnehmende in leitenden Arbeitspositionen mit, dass sie in dieser Hinsicht stark vom Studium profitiert hätten.

Es wurde in Veröffentlichungen des Hirt-Instituts immer wieder betont, wie wichtig Kenntnisse des Gesetzes von Lust und Unlust (GLU) für das Verständnis der HM seien. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich bin schon überzeugt davon, dass das GLU eine große Bedeutung für das Verständnis der HM hat. Insgesamt würde ich aber auch sagen, dass es sich um eine hervorragende Einführung in das menschliche Denken und Fühlen handelt, das den Studierenden die Tür zur Hirt Methode weit öffnet.

Konkret: Wenn ich einen D-Plan oder eine Dynamische Analyse erstelle - wie helfen mir dabei Kenntnisse des GLU, einen besseren D-Plan oder eine bessere Dynamische Analyse zu erstellen?

Ich meine, dass es sehr nützlich ist, seine inneren Beweggründe zu kennen. So gesehen war für mich auch die Einführung des Eintrags von Unlust-Aufgaben im Zeitplanbuch eine wichtige Erkenntnis. Zuvor hatte ich nämlich immer mal wieder den Eindruck, dass ich meine Prioritäten nicht richtig gesetzt hatte.

Es gab früher lokale Hirt-Clubs. Hatten Sie Kontakt zu solchen Clubs und können Sie unseren Lesern etwas über das Clubleben berichten?

Ich habe versucht, Kontakte zu Hirt-Clubs zu pflegen. Wir hatten gelegentlich auch Besuch von Personen, die Mitglieder bei solchen Clubs waren. Einmal fuhren wir für einen Vortrag in einem Hirt-Club nach Ravensburg (meine ich mich zu erinnern).

Ist Ihnen bekannt, ob es weiterhin aktive Hirt-Clubs gibt?

Leider habe ich dazu keinerlei Informationen.

Herr Isler, herzlichen Dank für das Gespräch. Gibt es noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen wollen?

Diese Informationen und Antworten habe ich Ihnen sehr gerne geliefert. Insgesamt möchte ich festhalten, dass mir die Arbeit mit der Hirt Methode und insbesondere die Betreuung der vielen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer stets viel Freude und Befriedigung bereitet hat. Ich bin überzeugt davon, dass das Studium der Hirt Methode auch heute noch seine Daseinsberechtigung hat.