Das Millionaire Maker-Brettspiel von Loral Langemeier

Manchmal wird es als "Cashflow 101 on steroids" bezeichnet: Das Brettspiel Millionaire Maker von Loral Langemeier.

1/5/20264 min read

Das Brettspiel Millionaire Maker ist in Deutschland wenig bekannt. Etwas bekannter ist Cashflow 101 von Robert Kiyosaki, das man sowohl kaufen, als auch in vielen Städten auf regelmäßigen Cashflow-Spieleabenden spielen kann. Beide Spiele sind dem eigenen Anspruch nach sowohl Bildungsspiele, als auch Unterhaltungsspiele. Millionaire Maker ist von der Finanzberaterin Loral Langemeier aus den USA entworfen, die außerhalb der USA nur Wenigen bekannt sein dürfte.

Der Spielaufbau von Millionaire Maker ist ähnlich wie bei Cahsflow 101 – doch ist Millionaire Maker ein besseres Cashflow 101? Und lohnt sich der Kauf? Hier die Beschreibung und anschließend mein Fazit.

So wird gespielt

Gespielt werden kann das Spiel von 1 bis 6 Spielern. Richtig gelesen: Man kann das Spiel alleine spielen, da man ohnehin nicht wirklich gegen die anderen, sondern um seine persönliche finanzielle Freiheit spielt. Ziel des Spiels ist es, innerhalb der vorgegebenen Zeit (empfohlen laut Spielanleitung: Höchstens 60 Minuten je Partie) das größte Vermögen anzuhäufen. Dieses Ziel fesselt irgendwie weniger, als das Ziel aus Cashflow 101, das Hamsterrad möglichst schnell zu verlassen.

Das macht das Spiel besonders

Zu den stärken von Millionäre Maker gehört, dass es keine einzige feste Runde gibt, die auf dem Spielbrett immer wieder durchlaufen werden soll. Stattdessen ist das Spielbrett wie ein Sechseck aufgebaut, und der Spieler kann frei wählen, welchen der sechs Zyklen er wann und wie oft durchlaufen will. Das ist ziemlich nah an der Lebenswirklichkeit, da wir im echten (Wirtschafts) leben auch unsere zeitlichen und inhaltlichen Schwerpunkte setzen können.

Gut ist auch, dass man – wie bei Cashflow 101 – eine Persona annimmt. Es stehen hier leider nur vier Personas zur Auswahl, aber wenn man sie alle durchgespielt hat helfen sie, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen. Es entsteht ein „Aha-Effekt“ bezogen auf die eigene Einstellung zu Vermögen und Einkommen. In jedem Spiel nehmen übrigens alle Spieler immer dieselbe Persona ein.

Eine weiter Besonderheit des Spiels ist das Sammeln von TLC-Punkten (TLC = Team, Leadership, Conditioning). Diese Punkte werden über Ereigniskarten gesammelt, und repräsentieren sowohl den Grad an finanzieller Bildung, als auch die Summe an klugen Entscheidungen. Man kann bis zu 10 TLC-Punkte sammeln, und diese auch wieder verlieren. Je mehr TLC-Punkte man hat, desto größere Deals kann man im Spiel machen.

Das Spiel hat viele Ereigniskarten, und diese sind wirklich mit durchdacht und liebevoll geschrieben. Oft mit einem Augenzwinkern vermitteln alleine einige Karten bereits wertvolles Wissen in komprimierter Form.

Als positive Lerneffekte stellen sich schnell ein: Investiere in Deine persönliche finanzielle Bildung, sei altruistisch, schätze den Wert Deiner eigenen Zeit, sichere Dich rechtlich ab und nutze die Chancen des Unternehmertums.

Die Nachteile des Spiels

Es gibt eine Reihe von Nachteilen dieses Spiel. Größter Nachteil ist für mich, dass es in grundlegenden Bereichen weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Aktieninvestments spielen in diesem Spiel fast keine Rolle. Es gibt dementsprechend auch keinen eigenen Zyklus für die Börse auf dem Spielbrett.

Auch werden die Risiken des Unternehmertums verniedlicht. Beim Zyklus Cash Mashine und in Verbindung mit den TLC-Punkten kann man fast nur gewinnen. Privatinsolvenzen oder verlorene Ersparnisse sind in diesem Spiel fast nur infolge von externen Risiken möglich. Die im Unternehmertum selbst angelegten Risiken werden in diesem Spiel vernachlässigt, und damit die Erfolgsaussichten des Unternehmertums unrealistisch positiv dargestellt.

Beim Spielen passt man fortlaufend sein Einnahme- und Ausgabenquellen auf einem der mitgelieferten Blätter für die Persona an. Da sich dies fortwährend ändert, ist man sehr viel am radieren, und entsprechend verschmiert sieht nach kurzer Zeit das Blatt aus. Irgendwie ist das Format mit den Blättern und Bleistift-Einträgen nicht praktikabel.

Insgesamt schade ist, dass Platz auf dem Spielfeld auch für einige weniger wichtige Zyklen verwendet wird, dafür aber – wie oben erwähnt – wichtige Zyklen fehlen. Weniger wichtige Zyklen sind in diesem Spiel insbesondere der Zyklus für rechtliche Absicherungen und für die Ordnung der persönlichen Schulden. Nach spätestens zwei oder drei Partien hat sich der Lerneffekt eingestellt: Lasse Dich immer anwaltlich beraten und richte eine passende Rechtsform ein, bevor Du Investments tätigst. Und bediene nur solche Schulden mit der höchsten Zinslast (typisch amerikanisch: Die Kreditkartenschulen) und lasse die anderen Schulden mit niedrigen Zinsen einfach weiterlaufen und konzentriere Dich aufs Geldverdienen. Dementsprechend werden diese Zyklen – außer von Spielanfängern – praktisch nicht verwendet, und wären besser für andere Tätigkeiten, wie z.B. Aktieninvestments und / oder einen Zyklus für riskante Unternehmensgründungen verwendet worden.

So kommt man an das Spiel

Wie bekomme ich das Spiel? MM gibt es ausschließlich auf Englisch, und es wird nicht mehr hergestellt. Auf ebay werden immer wieder unbenutzte, eingeschweißte Exemplare mit Versand aus USA oder UK angeboten. So habe ich auch mein Exemplar gekauft. Das Spiel ist hochwertig und liebevoll gestaltet. Neben schönen Spielfiguren aus Metall finden wir eine physische „Eieruhr“ und zwei physische Taschenrechner im Spielkarton – ja, das Spiel stammt aus der Vor-Smartphone-Zeit.

Fazit

Ich empfehle das Spiel allen Fans von Cashflow 101 als Ergänzung zu ihrer Spielesammlung. Es bietet einige Aha-Momente und Lerneffekte, die Cashflow 101 nicht bietet. Insgesamt stellt sich aber kein rechter dauerhafter Spaß ein. Dafür sind die Lerneffekte des Spieles zu schnell verinnerlicht, so dass dann die Motivation entfällt, dieses Spiel als Bildungsspiel zu spielen. Für ein Unterhaltungsspiel ist der Spielverlauf wiederum zu vorhersehbar, um auf Dauer Spaß zu machen.